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Versuch über das Göttliche

Volker Gerhardt,Sinn des Sinns,Versuch über das Göttliche,

Mehr Gott wagen



Der an der Berliner Humboldt-Universität lehrende Philosoph Volker Gerhardt hat einen spannenden Versuch vorgelegt,
In seinem neuen "Versuch über das Göttliche", sieht er die Überzeugungskraft der "religiösen Botschaft" gerade darin, dass es ihr gelingt, "ihre Anhängerschaft zum Leben zu verführen".

Weil es einen Sinn im Ganzen und durch das Ganze gibt,
ist es auch möglich, sich trotz aller Wirrnisse von Welt und Zeit,
sogar angesichts der Endlichkeit, der persönlichen Sterblichkeit
zu freuen - mehr noch: zu glauben.

"Wie anders sollen wir inmitten von Krankheit und Tod, Missgunst und Bosheit,
angesichts alltäglicher Gefahren ( … ) in der Lage sein,
im Bewusstsein eines göttlichen Grundes und
in der Hoffnung auf eine versöhnliche Aussicht handeln und leben zu können?"

Das erzeugt für Gerhardt keine weltfremde Illusion, sondern schafft Realität,
die kann als "vorrangige seelische Quelle des Glaubens angesehen werden".
Nicht ohne Wissen, nicht ohne den Drang, die Grenzen des Wissens abzuschreiten und sie mutig zu erweitern aber auch nicht ohne das Bewusstsein, dass der Glauben das Wissen in sich trägt und stets neu ausgreift nach Erkenntnis und Überschreitung.

So ist Glauben nichts Statisches, sondern für Gerhardt etwas Dynamisches, Progressives:
Unruhe, Suche, Dialog, Andächtigkeit, Achtsamkeit, Selber-Denken.

Volker Gerhardt weiß um die Grenzen rationalen Wissens ebenso wie um die Irrwege einer kirchlichen Beschwörungsreligiosität, die ihren Mangel an Erkenntnis und Einsicht umso mehr mit dogmatischer Behauptungswillkür zu übertrumpfen sucht,
wenn sie nicht gleich in pure Gefühlsduselei oder triviales Wellnessgetue abgleitet und ihr Heil dort sucht, wo die Vernunft abgeriegelt ist.

Die Weite des geistigen Horizonts zu verbinden mit der Bescheidenheit des akribisch religiös Suchenden, Ahnenden und um Sprache Ringenden, macht Gerhardts philosophische Meditation über den "Sinn des Sinns" so sympathisch:

Sie widersetzt sich nicht nur der Arroganz sowohl der religiösen wie der antireligiösen Besserwisser, sondern begleitet Schritt für Schritt den, der sich nicht zufrieden gibt mit der Allerweltsschonkost geistlicher Routine und auch nicht mit den Plattitüden jener "Weisheitslehrer", die behaupten, mit dem Göttlichen, mit Gott abschließen zu können, weil alles, was ist, angeblich aus sich selbst erklärbar sei.

Volker Gerhardt bevorzugt den Weg der ernsthaft Fragenden, Bohrenden und Zweifelnden, jener, die mit Kant den spekulativen "Gottesbeweisen" aus dem Sein oder dem Seienden nicht trauen und die nach Nietzsche ebenso wenig Ruhe geben wollen angesichts der großen Erregung, was im Menschen, als Mensch womöglich doch stirbt, wenn Gott "stirbt".

Gerhardt kann sich angesichts der Ignoranz mancher aus der eigenen Philosophengilde einem gewissen Spott nicht entziehen über jene, die meinen, dass Gott kein Thema der Philosophie mehr sein könne, weil es ihn ja nicht mehr gebe, weil er tot sei.

Dem Menschen fehlt eben doch was,
wenn Gott fehlt.

Glauben bedeutet für Gerhardt eine "Einstellung zum Wissen". Kein Ignorieren.
Der Glauben stehe sogar in einer besonderen Beziehung zum Wissen,
"die so eng und unverzichtbar ist,
dass man von einer notwendigen Verbindung sprechen muss.
Wissen gibt es nur in Verbindung mit dem Glauben,
und Glauben verliert seinen Sinn, wenn er keinen Bezug zum Wissen hat".

Aus der Tatsache, dass das Ganze stets in Beziehung steht zum Selbst und dass es eine Bedeutung hat für das sich selber bedenkende Dasein, wagt Gerhardt die Überschreitung auf das hin, was er als das Göttliche bezeichnet:

"Es ist das Ganze der Welt,
der gegenüber das Ganze eines Individuums
zu seiner einzigartigen Bedeutung gelangt."

Gerhardt wendet sich gegen Denkverbote und schlägt vor,
das Göttliche "als Bedeutung der Welt" zu beschreiben.
"Wenn Gott für den Menschen Bedeutung haben soll, kommt noch etwas hinzu:
Er muss ihm nahe stehen.
Gott muss dem Menschen so nahe sein
wie notfalls nichts anderes auf der Welt.
"


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Textteile aus der Buchbesprechung von Johannes Röser in CIG 41 / 2014 S. 463

Volker Gerhardt, Der Sinn des Sinns - Versuch über das Göttliche

C. H. Beck München, 2014, 357 Seiten, 29,95 €


8.1.16 23:22
 
Letzte Einträge: Welthunger durch Verschwendung, Papst Franziskus packt an, Der Name meines Bruders



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